
„Connect for Change: Dialoge auf Augenhöhe“ –
Der Berlinale-Kongress 2026 von ProQuote Film und Cast Me In zum Nachschauen
„Am Tisch sitzen reicht nicht“ – so ließe sich das Panel von „Connect for Change – Dialoge auf Augenhöhe“ von Cast Me In e.V. und ProQuote Film treffend zusammenfassen. Diskutiert wurde intensiv über Rückschritte, fragile Fortschritte, über Macht, Gatekeeping und strukturelle Trägheit. Denn eines wurde deutlich: Sichtbarkeit allein bedeutet noch keine Teilhabe. Wer zwar eingeladen ist, aber nicht mitentscheiden kann, bleibt Statist*in im eigenen Thema.
Das gesamte Panel zum Anschauen (bitte anklicken):
Es wurde intensiv diskutiert über Rückschritte, fragile Fortschritte, über Macht, Gatekeeping und strukturelle Trägheit. Denn es stimmt: Wer am Tisch sitzt, aber nicht mitentscheidet, bleibt Statist*in im eigenen Thema.
Im Zentrum stand die Erkenntnis, dass Fortschritte in Sachen Diversität fragil sind und politisch wie gesellschaftlich unter Druck geraten können. Verdeutlicht wurde das unter anderem am Beispiel der Dokumentation „Patrice: The Movie“, die zeigt, wie schnell erkämpfte Rechte wieder infrage gestellt werden. Nach der einleitenden Keynote des Emmy-Preisträger*innen (2025) und Regisseurs Ted Passon, begrüßten die beiden Moderatorinnen Kübra Sekin und Paula Essam die Panel-Gäste: Anne Zander, Schauspielerin und Della-Award-Gewinnerin als „Beste gehörlose Schauspielerin“, Frank Rusko, Diversity Manager des ZDF, Autorin Kübra Gümüşay sowie Esra und Patrick Phul, Creator*innen von All Heroes Are Bastards.
Mehrere Teilnehmerinnen äußerten ihre Frustration darüber, inzwischen zwar „mit am Tisch“ zu sitzen, jedoch weiterhin zu wenig tatsächliche Gestaltungsmacht zu besitzen. Gefordert wurden eigene Räume, stärkere Strukturen und verbindlichere Zusagen von Entscheidungsträger*innen.
Kritisch betrachtet wurde insbesondere die Rolle großer Institutionen und Sender. Vertreter*innen wie Kübra Gümüşay und Esra Phul betonten, dass Macht anerkannt und aktiv genutzt werden müsse, um echte Veränderung zu bewirken. Der Diversity-Manager des ZDF, Frank Rusko, verwies auf laufende Prozesse und schrittweise Entwicklungen – was jedoch von Teilen des Panels als nicht ausreichend konkret wahrgenommen wurde.
Die zentrale Botschaft bleibt: Dialog ist wichtig. Aber ohne strukturelle Konsequenz bleibt er unvollständig. Marginalisierte Filmschaffende fordern nicht nur Teilhabe – sondern tatsächliche Mitgestaltung und Verantwortung auf Entscheider*innen-Ebene.
Wenn Geschichten Gesetze bewegen
Der Kongress wurde mit einer eindrucksvollen Keynote des US-amerikanischen Regisseurs Ted Passon eröffnet. Auch die Hauptprotagonistin seines Films, Patrice Jetter, wandte sich in einer Videobotschaft an das Publikum. Passon war persönlich vor Ort und setzte mit seinen Worten den inhaltlichen Rahmen für die folgenden Panels – und machte deutlich, warum dieser Kongress zum Thema Vielfalt und Visionen so wichtig ist.
Die Keynote von Ted Passon zum Anschauen (bitte anklicken):

Im Mittelpunkt seiner Keynote stand die Erkenntnis, wie fragil gesellschaftliche Strukturen sein können. Rechte und Fortschritte, die über Jahrzehnte hart erkämpft wurden, können schnell ins Wanken geraten, wenn sich politische Rahmenbedingungen verändern oder bestehende Systeme infrage gestellt werden. Gerade deshalb brauche es Aufmerksamkeit, solidarische Netzwerke und kontinuierliches Engagement, um Errungenschaften nicht nur zu feiern, sondern auch dauerhaft zu sichern.
Dabei sprach Ted Passon auch über seinen Dokumentarfilm „Patrice: The Movie“, der beim DOK.fest München als erster Film überhaupt mit dem neu geschaffenen „All Inclusive Award“ ausgezeichnet wurde und inzwischen auch einen Emmy Award gewonnen hat. Der Film erzählt die Geschichte von Patrice Jetter und Garry Wickham, einem Paar, das für sein Recht auf Liebe kämpft – in einem System, das sie vor eine unmögliche Entscheidung stellt: Wenn sie heiraten, verlieren sie den Zugang zu dem Gesundheitsprogramm, das ihnen lebenswichtige Medikamente sichert.
Eine besondere Verbindung zum Film entstand während des Kongresses auch durch Patrice Jetter selbst, die sich mit einer Videobotschaft zuschaltete. Darin berichtete sie eindrücklich von ihrem persönlichen Kampf für Selbstbestimmung und von den politischen Konsequenzen, die ihre Geschichte ausgelöst hat.
Ted Passons und Patrice Jetters Beitrag machte eindrücklich deutlich, dass gesellschaftliche Fortschritte keine Selbstverständlichkeit sind – selbst dann nicht, wenn Rechte über Jahrzehnte erkämpft wurden. Genau diese Erkenntnis machte ihre Keynote zu einem kraftvollen Auftakt für den Kongress: Teilhabe und Gleichberechtigung müssen immer wieder neu verteidigt, weiterentwickelt und politisch eingefordert werden.
Der Kongress ist eine Veranstaltung wird gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ), die Aktion Mensch, die Filmförderungsanstalt (FFA) und den Medienboard Berlin-Brandenburg (MBB). Sie wird unterstützt von der Studio Hamburg Production Group, ARD Degeto Film GmbH, OMNI Inclusion Data, Red Club, Institut für Schauspiel, Film- und Fernsehberufe an der vhs Berlin-Mitte sowie Fair Play Film und Kultur. Ebenfalls danken wir Preproducer und dem ZFK für ihren Support.

